Ehingen verliert 68:115 in Crailsheim

Klassenunterschied im Derby zwischen den Crailsheim Merlins und dem Team Ehingen Urspring am gestrigen Abend. In der Hohenlohe Arena verpasste der ProA-Titelanwärter Crailsheim Ehingen eine deftige 68:115-Packung. Die Basketballer aus der Donaustadt konnten dem Ensemble aus lauter erfahrenen Hochkarätern nichts entgegenbringen.

Von Helen Weible, Ehinger Tagblatt, SWP, 25.01.18
Foto: Jürgen Emmenlauer

Dieser große Klassenunterschied ist wohl allein auf die Rotation zurückzuführen. Einen roten Pulli und Jogginghose statt dem weißen Dress vom Team Ehingen Urspring trug Regisseur Devon Moore. Seine Handverletzung stellte sich als schwer heraus. Der Bruch wird heute operiert. Ein schwerer Verlust im Mannschaftsgefüge der Steeples, denen auch von der ersten Sekunde anzumerken war, dass ihnen der erfahrene Ruhepol fehlte.

Auch Bo Meister und Moritz Noeres mussten passen. Die Optionen waren also gering. Auf der Aufbauposition half Franklyn Aunitz aus. Der 17-Jährige stellte sich 21 Minuten dem Kampf gegen haushoch überlegene Gegner und „machte seinen Job“ gut. NBBL-Teamkollege Nils Leonhardt kam zudem zu seinen ersten ProA-Minuten. „Man muss es eben in Relation setzen. Gegen dieses Team kann man verlieren“, sagte Trainer Domenik Reinboth.

Die Merlins legten los wie die Feuerwehr. 2:0, 5:0, 7:0 stand es nach nur 50 Sekunden. Die Ehinger suchten händeringend nach Lösungen, um den rasend schnell passenden Gastgebern beizukommen. Doch sowohl in der Abwehr als auch im Angriff lief bei den Gästen in den ersten Minuten nichts zusammen. 16:4 stand es, als Sebastian Schmitt den erfolgreichsten Korbjäger Kevin Yebo unterm Korb bedienen wollte. Doch wie häufig langte ein Merlin zwischen rein und der Korbversuch blieb erfolglos. Schmitts Dreier zum 24:12 war ein seltenes Highlight im ersten Viertel. Auch viel zu oft verloren die Steeples den Ball, sodass der Tabellenzweite der ProA per Fastbreak punkten konnte. Bezeichnender Schlussakt nach zehn Minuten: Topmann Frank Turner kommt ganz frei zum Wurf von der Drei-Punkte-Linie und trifft. Mit einem dicken Rückstand von 16 Zählern beim 39:22 geht es in den zweiten Abschnitt.

Zu viele Ballverluste

Hier änderte sich nicht viel, was die Merlins-Dominanz betraf. Allerdings fielen nicht ganz so viele Punkte wie noch im ersten Durchgang (22:12). Ehingen blieb immer noch zu nachlässig in der Ballbehandlung. Nach 14 Minuten zählte man bereits elf Turnover (20 im ganzen Spiel). Nach einer Viertel Stunde hatten sich die Crailsheimer vor allem über den treffsicheren Martin Bogdanov bereits eine 26-Punkte-Führung herausgespielt.

Trainer Domenik Reinboth nahm eine Auszeit. Doch wie sollte sich sein Team herankämpfen, wenn außer bei Kevin Yebo kaum ein Ball sein Ziel fand? Seger Bonifant versuchte sein Glück vergeblich und ging mit null Punkten in die Pause. Einzig Schmitt konnte erneut von außen etwas Zählbares beisteuern (56:35). Dass dieses Spiel mit weniger als 100 Punkten der Crailsheimer enden würde, schien beim Pausenstand von 61:35 schon fast aussichtslos.

Und tatsächlich: Das dritte und vierte Viertel ist schnell erzählt. Ein zu statischer Angriff hängte die Steeples ab, die immer weiter zurückfielen. 30 Punkte Differenz waren es nach 26 Minuten beim 78:48. Die bis dahin höchste Führung gelang den Gastgebern beim 89:55 (30.). Einen viertelübergreifender 10:0-Lauf (96:55) mussten die Ehinger dann hinnehmen und in der Halle skandierten die Fans bereits „Hundert“. Schließlich gelang Sebastián Kratzborn der Distanzschuss, der die 100er-Marke durchbrach (102:62). Jetzt gaben die Ehinger allmählich auch den Kampf auf und nahmen ihr Schicksal beim 115:68 kopfhängend hin. Klar ist, dass nunmehr in eineinhalb Wochen am 4. Februar gegen Ulm ein Sieg her muss. Koste es, was es wolle.