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"ICH VEREHRE DAS EHINGER PUBLIKUM"

24.05.2020

Stefan Schaarschmidt wird nach 18 Jahren als Hallensprecher einen Schritt zurück gehen und Andi Gegic übernimmt das Mikrofon in Zukunft bei unseren Heimspielen!

Zu diesem Anlass haben wir uns ausführlich mit Stefan über seine Zeit als Hallensprecher unterhalten.

Stefan du warst 18 Jahre lang der Hallensprecher des TEAM EHINGEN URSPRING. Du warst damit bei den Heimspielen das Gesicht des Vereins. Wie bist du am Anfang zu dieser Aufgabe gekommen?

Stefan Schaarschmidt: Ich saß an einem schönen Sommerabend 2002 mit Reiner Fuchs zusammen in der Stadt und es kamen zwei unbekannte Herren an den Tisch. Es waren Ralph Junge und Rolf Koch. Die beiden haben vom Basketball erzählt und sie suchten einen Hallensprecher. Reiner Fuchs haben sie angesprochen, weil er mit Time Square erfolgreich Musik macht und daher oft vor Publikum steht.

Reiner Fuchs hat dann auf mich gezeigt und gesagt, wenn es einer kann, dann Stefan. Ich habe versucht aus der Sache rauszukommen, weil ich keine Ahnung von Basketball hatte. Wir haben dann Nummern ausgetauscht und Rolf Koch hat nicht locker gelassen. Ich fand es toll, dass die Mannschaft in der zweiten Liga spielen will.

Nach mehreren Gesprächen meinte Rolf: „Ich will genau Dich.“ So ging das über Wochen, dann habe ich zugesagt.

Ich habe gesagt, ich habe noch nie ein Basketballspiel live gesehen und dann bin ich zu einem Pokalspiel nach Nördlingen gefahren – sie haben mich hingeschickt und Karten besorgt. Da habe ich quasi die erste Studie betrieben. Es war ein Pokalspiel auf Bundesliga-Niveau.

Wie hast du dich dann weiter darauf vorbereitet, den Posten als Hallensprecher zu übernehmen?

Stefan: Leuten wie Ralph, Rolf und Nico Drmota bin ich sehr, sehr dankbar. Sie haben mit mir oft über Basketball gesprochen und mir jede Frage beantwortet. Sie haben mich immer toll unterstützt. Das hat mir enorm geholfen und so wurde mir eine gewisse Angst genommen. Eins war mir immer wichtig: Wenn ich das mache, will ich das auf eine konservative, seriöse Art machen und das Spiel dem Publikum in dieser Art präsentieren. Eine ordentliche Präsentation und kein Suppenkasper.

Was war dein schönster Moment als Hallensprecher?

Stefan: Ich kann das nicht an einem Spiel festmachen. Es ging, glaube ich, um Auf- oder Abstieg – das muss in der zweiten oder dritten Saison gewesen sein und ich war wie high! Es war so ein wichtiges Spiel, ich war völlig aufgeputscht, da ist was körperliches passiert.

Die ganze Zeit war dauerschön über all die Jahre. Ich habe eine unglaubliche Rückkopplung von den Zuschauern erhalten. Ich habe Anerkennung und Lob bekommen, dass es mir fast unheimlich war. Die Leute in Ehingen kannten mich und haben auch konstruktive Kritik geäußert. Das war das schöne, weil etwas von den Menschen zurück kam. Das war so liebenswürdig, respektvoll und schön. Das ist genau das, was ich auch mitnehme. Dafür bin ich einfach nur dankbar. Das nehme ich mit!

Wurdest du häufig auf der Straße erkannt?

Stefan: Ja. Da habe ich gemerkt, welche Rolle man spielt. Ich bin sehr oft angesprochen worden und für mich war irre, dass vor mir Kinder stehen und zu mir hoch schauen. Daran musste ich mich wirklich gewöhnen. Die haben mich richtig angestrahlt und erkannt. Dann wollen die Kinder mit mir reden und da habe ich unglaubliche tolle Begegnungen erlebt!

Sogar im Ausland wurde ich erkannt oder z.B. vor einiger Zeit in einem Flughafen im Saarland. Eine Familie kam auf mich zu , sie waren nicht aus Ehingen. Sie haben gesagt, es ist ja toll, Sie hier zu sehen und ich hatte ein T-Shirt von unserem Team  und dann habe ich es dem Sohn geschenkt und der Junge war überglücklich.

Was bedeutet aus deiner Sicht der Basketball für die Stadt Ehingen?

Ich habe gemerkt, dass der Basketball wichtig für unsere Stadt ist und ich als Hallensprecher Verantwortung trage. Ich habe mir bewusst und gewollt für die Menschen Zeit genommen und habe Fragen beantwortet und viele haben Wünsche geäußert. Vor kurzem kam eine Frau zu mir und sagt, ihr größer Lebenswunsch ist es, in das Kostüm unseres Maskottchens Hübi zu schlüpfen.

Wenn Vorschläge oder Anregungen an mich herangetragen wurden, leitete ich diese immer weiter an Rolf und Nico. Die beiden haben wirklich viel umgesetzt, was das Publikum über mich an das Management herangetragen hat.

Du triffst auch Leute, die sozial benachteiligt sind und dann denkst du, es wäre schön, wenn sie mal zu einem Spiel kommen könnten. Dann habe ich oft die Namen aufgeschrieben und an Nico weitergeschickt. Oft habe ich dann erfahren, dass die Menschen dann beim nächsten Spiel ihre Chance bekommen haben! Man kann es nicht hoch genug einschätzen, welch enorm hohe soziale Aufgabe der Verein hier hat.

EHINGEN URSPRING ist ein Integrationsfaktor und regelmäßig die größte Veranstaltung in Ehingen. Da kommen Menschen zusammen, egal ob jung oder alt. Es gibt genug Menschen für die ist ein Spiel das soziale Highlight – da trifft man sich, da ist man aufgehoben, da sind sie eingebunden. Basketball macht die Menschen in Ehingen glücklich! Es ist wirklich so. Das ist ein Wahnsinn! Es gibt Rentner, die sparen sich das Geld für die Karte zusammen und das ist dann ihr Highlight und sie erleben einen tollen Sport und blühen auf. Unsere älteren Gäste – das darf man wirklich nicht unterschätzen.

Haben die Leute nach einem gewonnen oder verlorenen Spiel unterschiedlich auf dich reagiert?

Stefan: Die Leute sprechen mich gleich an – egal ob es gut oder schlecht läuft. Eins habe ich gemerkt. Egal ob es dem Verein gut oder schlecht ging, das Publikum steht zu dieser Mannschaft. Selbst bei verlorenen Spielen, wenn die Jungs gekämpft und sich eingebracht haben.

Ich verehre das Ehinger Publikum -vor diesem Publikum habe ich größten Respekt. Es ist fair und loyal. Die Menschen haben zudem eine große Einsicht in unsere Begrenztheit. Das macht das Publikum aus. Ich liebe das Publikum, das muss ich wirklich genau so sagen!

Wenn du oft vor so ein Publikum treten darfst, dann ist das eine ganz große Geschichte. Das hat immer Niveau. Dieses ganzes Umfeld hat menschlich ein hohes Niveau. Da geht mir wirklich das Herz auf und mir war es eine große Ehre!

Was beutetet für dich EHINGEN URSPRING?

Stefan: Es ist Lebensinhalt. Eine meiner größten menschlichen Erfahrungen die ich sammeln durfte. Alles in der zweithöchsten deutschen Spielklasse, Teil davon zu sein ist ungalublich. Und ich verbinde damit Freundschaften. Es ist aber auch Stress und Arbeit, weil es Konzentration benötigt.

Ein Schönes war das Einbinden der „Heggbacher“ vom der „Niederlassung Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) Ehingen“. Sie helfen beim Aufbau und mit ihnen zusammen zu sein und zu sehen wie glücklich sie dabei sind. Das waren in den letzten Jahren die schönsten Momente! Das Geben und Nehmen, das fand ich wirklich ganz toll. Da erfüllt der Basketball eine wichtige Rolle.

Was war dein schwierigster Moment, war es der Stromausfall in der Halle 2018?

Stefan: Ja, das war er. Ich hatte in dem Moment zum Glück die Eingabe zu unserem Fanclub Green Inferno zu gehen und deren Flüstertüte zu holen. Ich wollte das keine Panik ausbricht und das Publikum informieren damit sie da bleiben. Ich bin immer wieder von Block zu Block gelaufen und habe die Leute mit Information versorgt. Das war unglaublich anstrengend, aber die Leute hatten Spaß und waren dankbar.

Das schlimmste war – ich hatte das zwei, drei Mal – wenn ich eine Schweigeminute machen musste und wir den Toten nahe standen. Da habe ich meine ganze Kraft gebraucht, um nicht zusammen zu brechen. Das waren ganz schwere Augenblicke, raus zu gehen und was zu sagen. Da wurden mir die Knie weich.

Was waren deine Lieblingsspieler in der Zeit?

Stefan: Ich meine gespürt zu haben, dass ich für die ganz jungen Spieler als Hallensprecher wichtig sein kann. Wenn  junge Spieler ausgewechselt wurden, erreichten mich manchmal Blicke voller Dankbarkeit. Weil du ihnen durch Worte, die Unterstützung der Zuschauer sichern kannst.

Mich hat es zu tiefst beeindruckt, dass Sascha Hupmann nach Ehingen kommt, um seinem Freund Ralph Junge zu helfen mit der jungen Mannschaft in der Liga zu bleiben. Ich habe in ihm einen riesen Ochsen gesehen, der im Ruhestand ist und als Turm noch für Ralph spielt. Er war nicht austrainiert, aber er ist zu uns gekommen und hat uns geholfen. Er wurde zum Publikumsliebling und hat mit den Menschen in der Längenfeldhalle geredet. Deshalb hat mich sein Tod auch getroffen, weil er mich damals so beeindruckt hat. Auch weil es da um Freundschaft ging.

Lucca Steiger war für mich der Wahnsinn und auch Adam Waleskowski. Lucca habe ich als 15-jährigen gesehen und mich gefragt, wie man in dem Alter so gut sein kann.  Und auch Kevin Yebo – wie kann man sich so reinhängen? Manchmal will man hinter dem Anschreibetisch auf die Knie fallen und den Spielern sagen, du bist ein unfassbarer Sportsmann!

Warum geht es jetzt in die zweite Reihe für dich?

Stefan: Es ist wirklich so: Ich habe Arbeit und Stress erwähnt. Ich mache immer etwas zu 100 Prozent. Ich habe jetzt gemerkt, ich kann nicht mehr. Es war harte Arbeit für mich, weil ich die Sache sehr ernst nehme. Ich bin erschöpft und müde. Ich habe von Termin zu Termin gelebt, habe moderiert auch wenn ich krank war oder in seelischer Not – weil ich im Umfeld einen Verlust hatte. Ich bin teilweise am Stuttgarter Flughafen gelandet und direkt in die Halle. Das ganze hat seinen Tribut. Es ist eine Aufgabe, die ich gut erfüllen muss, genau wie das Team gut spielen muss.

Aber du wirst als Zuschauer erhalten bleiben?

Stefan: Genau und als engagierter Unterstützer bei der TSG Ehingen, im Förderverein und beim TEAM EHINGEN URSPRING. Ich bleibe dem Ganzen immer erhalten. Wenn mein Nachfolger mal ausfällt, werde ich auch dastehen!

Ich will wirklich eins noch sagen: Einem Ralph Junge, Rolf Koch, Nico Drmota und Dominik Reinboth möchte ich Danke sagen. Diese Leute haben mir immer den Rücken gestärkt und haben nie einen Zweifel gelassen, dass sie zu mir stehen und mich schätzen. Das hat mir enorm viel Kraft gegeben!

Die Arbeit mit dem Kampfgericht, allen voran Roland Brandl, war intensiv und sehr profesionell. Und unsere Cheerleader, die Jumping Mosquitos, mag ich sowieso.

Und Dr. Schubert hat es über all die Jahre geschafft auch den Hallensprecher für ein Spiel fit zu machen – auch dafür ein herzliches Danke!

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