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WIR SIND KEIN WANDERZIRKUS

28.01.2020

Der Manager der Ehinger Zweitliga-Basketballer, Nico Drmota, erklärt die aktuell schwierige Situation beim Team Ehingen Urspring.

Die Fans des Team Ehingen Urspring machen gerade eine schwere Zeit durch. Als Tabellenletzter mit erst vier Saisonsiegen ist es zum Klassenerhalt noch ein weiter Weg. Im Gespräch mit Redakteurin Helen Weible erklärt Manager Nico Drmota, wie mit der aktuellen Stimmung umzugehen ist, wie man den Verein und seine Struktur verstehen sollte und vor allem, was Ehingen Urspring auszeichnet.

Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt – das Umfeld des Ehinger Zweitligisten erlebt zwei absolut gegenteilige Spielzeiten. Wie kann so etwas passieren?

Nico Drmota: Es ist genau das eingetreten, wovor wir vor der Saison gewarnt haben. Das diesjährige Team wird mit der Mannschaft aus der letzten Saison verglichen, was einfach nicht richtig und unfair ist. Die Mannschaft, die es letztes Jahr in die Playoffs geschafft hat und bei uns allen eine absolute Begeisterung ausgelöst hat, konnte einfach auf mehr Konstanz zurückgreifen. Dieses Bewusstsein hat sie in den entscheidenden Phasen getragen. Das Erreichen der Playoffs war die Belohnung und auch ein Stück weit das Glück des Tüchtigen. Die Importspieler wie Ray Simmons, Tanner Leissner und Seger Bonifant haben voll eingeschlagen. Kevin Yebo entwickelte sich zur starken Vorsaison sogar noch einmal deutlich. Tim Hasbargen und Gianni Otto hatten ganz andere Rollen inne – die Mannschaft fand ihren gemeinsamen Weg und was sehr wichtig is,: Sie blieb von Verletzungen verschont und musste auch keine Spielerwechsel verkraften.

Der Erfolg hatte letztlich auch eine Schattenseite, denn die Spitzenspieler wanderten alle ab…

Ja und das ist auch gut so. Das gesamte Umfeld freute sich mit Kevin Yebo und Tanner Leissner, dass sie den Sprung in die BBL geschafft haben. Genauso wie für Seger Bonifant und Ray Simmons, die nun auf europäischem Top-Niveau spielen. Wir, als Team Ehingen Urspring, haben eine verdammt gute Arbeit geleistet und wir können stolz darauf sein, etwas Nachhaltiges geschafft zu haben. Die Suche nach den richtigen Import-Spielern ist und bleibt ein Glücksspiel. Mal landet man einen Treffer, das andere Mal eben weniger. Ich sage nicht, dass unsere diesjährigen US-Jungs keine Treffer waren, aber auf diesen so wichtigen Positionen fehlt die Konstanz und das tut uns weh.

Und die Verletzungsmisere kam noch hinzu!

Leider ja, sie soll aber keine Ausrede für die verlorenen Spiele sein. Sie begann schon am dritten Tag der Vorbereitung, als sich Darnell Foreman verletzte und sich davon nie richtig erholen sollte. Mit der Verletzung von Dan Monteroso mussten wir den bittersten Ausfall verkraften. Mit ihm verloren wir einen tollen Menschen und einen Energizer fürs Team.

Erfahren Sie den Rückhalt, den Sie benötigen?

Die Stimmen, die ich höre sind ganz unterschiedlich. Viele davon sind mir sehr wichtig und helfen in der täglichen Arbeit enorm. Die anderen, ehrlich gesagt, langweilen mich langsam. Es sind Aussagen, die ohne jeglichen Zusammenhang in den Raum geworfen werden.  Ich bin der Meinung, dass Kritik üben einhergeht mit Verantwortung übernehmen. Damit spreche ich jeden an: Management, Trainer, Spieler, Fans, bestehende aber auch potentielle Partner. Jeder sollte sich überlegen, welchen Input er anbieten und leisten kann.

Aber die Mannschaft besser machen, das wird niemanden gelingen…

Was den Etat angeht, starten wir immer als Tabellenletzter in die Saison. Es geht darum, was wir im Laufe der Spielzeit dann daraus machen. Wir müssen jedes Jahr den harten Euros der Gegner mit unserer Überzeugung und den nötigen Tugenden entgegentreten. Dies klappt mal gut, mal weniger gut. Aber der Weg ist immer der gleiche und für uns der einzig richtige. Es ist ein Ritt auf Messers Schneide.

Was macht das Projekt so besonders?

Wir sind in einem schnelllebigen Geschäft über die Jahre absolut authentisch geblieben und unterwerfen uns nicht ausnahmslos wirtschaftlichen Bestrebungen. Wir haben etwas geschafft, das sonst niemand im nationalen Bundesliga-Basketball geschafft hat: Eine eigene Identität! Wir sind kein Wanderzirkus, der acht Monate durch Deutschland fährt, die Hallen bespaßt und dann Urlaub macht, wir sind weit mehr. Der kurzfristige Mannschaftserfolg ist zwar schön, kann aber nicht unser Antrieb für nachhaltige Jugendförderung auf Bundesliga-Niveau sein.

Quelle: SÜDWEST PRESSE | Helen Weible

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